Filmtagebuch

Freitag, 15. Dezember 2006

Stranger than fiction (USA 2006, Marc Forster)

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Ich muss voranschicken, dass ich ein Riesenfan von Charlie Kaufman bin, denn das Drehbuch hier könnte aus seiner Feder stammen und hat mich wohl deswegen auch rundum begeistert. Dazu kommt das die Geschichte (die übrigens nicht von Kaufman sondern von Zach Helm ist) sich in wunderbarer Weise mit der Inszenierung von Marc Forster verbindet, der ähnlich visuell überzeugt wie in "Stay", das ganze aber "aufgehellter" und "zurückgenommener". Dazu kommt ein exzellentes Darstellerensemble, wo man nicht weiß ob man das herrlich lakonische Spiel von Ferrell, den schrägen Dustin Hoffman, die fahrige Emma Thompson oder die einfach nur wunderschöne Maggie Gyllenhaal mehr loben soll. Ihre Rolle ist mit der etwas zu rosanen Charakterzeichnung vielleicht der einzige kleine Schwachpunkt, aber das verbuche ich mal in die Kategorie "In Märchen ist sowas erlaubt", denn "Stranger Than Fiction" ist für mich ein Märchen, mit ganz viel Romantik (richtig Gänsehaut am Ende bei mir) und exellentem Humor. Das Ende war bei mir übrigens ein Kleines Auf und Ab. Ohne zu viel spoilern wollen: Erst ein Gefühl von Super, dann kurz eins von "Oh je" und dann "Oh ja, traumhaft". Schade, dass ich aufgrund eines Verkehrsstaus die ersten paar Minuten verpasst habe, deswegen auch nur vorläufige 9 Punkte, die noch Luft nach oben lassen. Schon jetzt steht allerdings fest. Das Kinojahr 2007 wird das Kinojahr 2006 um Weiten schlagen, denn ich kenne nun schon drei sichere und einen möglichen Start 2007, die in meiner Rangliste 2006 in den Top 5 wären.

The Pursuit of Happyness (USA 2006, Gabriele Muccino)

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Nicht ganz so schlimm ausgefallen, wie es der Trailer, welcher bei mir Würgereize erzeugte, vermuten ließ. Denn diese Hohelied auf den "American Dream", die Kraft des Geldes und die Chancen es zu etwas zu bringen, wenn man es nur will und sich anstrengt, ist nur in der ersten Hälfte richtig penetrant und nervend (der doppelte Einsatz der US-Flagge, einmal klar und einmal hinter Fenstern ist in dieser Hinsicht der "Höhepunkt"). Danach wird das merklich zurückgefahren, doch statt sich zu steigern, bleibt der Film auf schlechtem Niveau. Denn die Inszenierung von Muccino, von dem ich mir eigentlich am ehesten etwas erhofft habe nach seinem erfrischen "L'ultimo baccio", reißt die Geschichte zu keinem Zeitpunkt aus der Belanglosigkeit, sondern setzt sie eher noch tiefer rein. Wenn ein Film schon so dick aufträgt (und dann noch mit seinem "based on a true story" wedelt), dann soll er bitte auch berühren, Gänsehaut verursachen, einen für das Schicksal der Protagonisten interessieren und das schaffte der Film bei mir nie. Stattdessen dachte ich immer nur "Ja's wird scho". Positiv zu vermerken ist aber auf jeden Fall das exzellente Zusammenspiel zwischen Will Smith und seinem Sohn, die nicht nur prächtig miteinander harmonieren, sondern sich auch ein paar exzellente Dialoge liefern dürfen. Da beweist der Film dann hin und wieder richtig guten Humor und hat mich auch ein paar Mal zum Lachen gebracht. Insgesamt aber viel zu wenig und ich hoffe Gabriele Muccino hat mit dem nächsten Hollywoodfilm mehr Glück.

Donnerstag, 30. November 2006

Little Miss Sunshine (USA 2006, Jonathan Dayton, Valerie Faris)

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O.k., ein Film der zwei Songs von Sufjan Stevens in großartiger Weise einsetzt, kann der noch schlecht sein? Nein, natürlich nicht! Und nicht nur wegen des guten Soundtracks (der neben Stevens noch einige weitere schöne Songs zu bieten hat und es sich leisten kann Stevens Top-Hit "Chicago" nur instrumental zu spielen) ist "Little Miss Sunshine" ein absolutes Highlight und für mich der bisher beste Filme des Kinojahres 2006. Wundervolle Charaktere, exzellenter Humor, super Darsteller, Spannung, Tempo, ne kleine Prise Action und ein göttliches Finale. Gesellschaftskritik darf auch nicht fehlen (ich habe mich fast weggeschmissen als der schmierige Moderator mit "America The Beautiful" anfing). Ein Topfilm!

Flushed Away (USA 2006, David Bowers, Sam Fell)

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Eine absolut positive Überraschung. Hatte nicht allzu viel erwartet und dann kommt der Film mit einer unglaublichen Gagdichte daher, großer Detailverliebtheit und ein Ansammlung von göttlichen Zitaten. Allerdings ist "Flushed Away" kein Film für die Kleinen, denn die werden die meisten Gags einfach gar nicht verstehen können und auch damit Probleme haben, dass viele Gags eher unaufällig platziert sind. Mir hat er ausgesprochen gut gefallen, da nahm ich auch gerne die Standard-Moral-Story in Kauf, vor allem da sich auch die Briten selbst so überhaupt nicht ernst nehmen (kleiner Hinweis: wichtiger Bestandteil des Films ist das WM-Finale Deutschland gegen England)

The Queen (UK 2006, Stephen Frears)

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Die erste halbe Stunde dieses Bio-Dramas war imho absolut brillant. Mit Mirren, der Riesenüberraschung Sheen und Cromwell (der die besten Dialoge bekommen hat) gibt es ein exzellentes Darstellertrio, dazu gelingt Stephen Frears bis dahin eine Gänsehautinszenierung. Dann flaut der Film aber merklich ab, wiederholt sich zu stark in seinen Motiven und Mitteln und zieht sich dadurch teilweise. Erst gegen Ende erreicht er wieder das hochklassige Niveau des Beginns, wunderbar wie es Frears hier auch zwischen den Zeilen gelingt einen Bogen ins Heute zu schlagen. Sehenswert, wenn auch nicht so überragend wie er hätte sein können.

Montag, 27. November 2006

The Long Goodbye (USA 1973, Robert Altman)

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Ein sehenswerter Film des vor wenigen Tagen verstorbenen Robert Altman. Die chandlersche Story rund um Detektiv Phil Marlowe gerät schnell in den Hintergrund, ist eigentlich nur Beiwerk bei einem Film bei dem Elliott Gould sein ganzes schauspielerisches Talent und seine Coolness zeigen darf. Ein Film, der strotzt vor ironischen Brechungen, eigentlich unnötigen, aber wundervollen Nebenkriegsschauplätzen, einer Menge Humor sowohl bei den Dialogen als auch in den Szenarios. Zudem gibt es eine exzellente Kamerarbeit.

Mannaja (Italien 1977, Sergio Martino)

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Mal wieder Lust auf einen dreckigen Italo-Western gehabt und als "Keoma"-Fan wurde mir dafür dieser hier sehr empfohlen und die Empfehlung traf voll ins Schwarze. Dieser pessimistische Spätwestern ist vom Stil stark an "Keoma" angelehnt, sehr brutal und kann mit einer überzeugenden Geschichte aufwarten. Interessant auch das Setting inmitten lauter Nebel und Dunstschwaden. Nur Maurizio Merli, der Hauptdarsteller, hat mir am Anfang nicht so gut gefallen.

Dienstag, 14. November 2006

The Departed (USA 2006, Martin Scorsese)

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Ellerby: Go fuck yourself.
Dignam: I'm tired from fucking your wife.
Ellerby: How is your mother?
Dignam: Good, she's tired from fucking my father.

Als glühendem Verehrer des Originals stand ich „Departed: Unter Feinden“ eher skeptisch gegenüber, aber das hat sich beim Schauen schnell gelegt. Daran „schuld“ sind zum einen zwei Darsteller. Jack Nicholson als fieser Bösewicht und vor allem Mark Wahlberg als fieser Cop brillieren und knallen ihren jeweiligen Mitspielern die Beleidigungen nur so um die Ohren. Gerade von Wahlberg hätte ich diese geniale Performance nie erwartet, und er ist deutlich mehr als der „guy that does his fuckin' job“, um in seine Sprache zu wechseln. Die Dialoge sind ein weiterer Pluspunkt. Großartig. Stimmig ist auch die Atmosphäre, die Scorsese schafft, exzellent der Soundtrack, der hervorragend eingesetzt wird. Leider ist „Departed“ imho aber einen Tick zu lang geraten und hat im Mittelteil ein wenig Leerlauf. Komisch dabei, dass trotz der größeren Länge gegenüber dem Original die Handlung ab der Inthronisierung der jeweiligen Spitzel ein ganz klein wenig zusammengestaucht wurde und die Nebencharaktere auf Polizei- und Gangsterseite (also neben den beiden „Moles“, die hier „Rats“ sind, sowie ihren Vorgesetzten) fast zu Randfiguren verkommen, die eigentlich jeweils nur einmal in einer wichtigen Szene größer auftauchen. Im Original bekamen die etwas mehr Tiefe. Dafür gab es dann halt noch die Vorgeschichte, die aber durchaus zu gefallen wusste.

Die beiden Hauptdarsteller machen ihre Sache sehr gut. Sowohl Matt Damon als auch Leonardo DiCaprio haben aber in einem direkten Vergleich mit den jeweiligen Darstellern im Original imho gar keine Chance, da Lau noch schmieriger (trotzdem sympathischer) rüberkommt als Damon und Leung einfach noch kaputter ist als DiCaprio (obwohl der das schon exzellent verkörpert). Letzteres kann aber auch darin begründet sein, dass im Original der Undercover-Einsatz wohl rund dreimal so lange dauern dürfte (genaue Zahlen werden im Remake nicht genannt) und somit der Verfall noch weiter gehen muss.

Die Änderungen gegenüber dem Original sind verschieden gut bei mir angekommen. Die Aufteilung des Polizeichefs auf zwei Charaktere ist ein sehr guter Schachzug, kommt dadurch ja auch erst Mark Wahlberg ins Spiel. Die Zusammenführung der beiden Frauen auf eine, nimmt imho den männlichen Figuren etwas im zwischenmenschlichen Bereich, schadet aber nicht sonderlich, da man zum Glück (trotz Andeutung) nicht noch in Richtung eines Dreiecksliebesdrama schwenkt. Die Änderungen beim Ende sehe ich per se nicht negativ, es wirkt nur ein klein wenig unrunder als beim Original.

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Summa summarum: Eine sehenswertes Remake, auch für Freunde des Originals, dass bei mir nicht ganz so einen starken Eindruck wie „Infernal Affairs“ hinterließ, mich nicht ganz so in seinen Bann gezogen hat (was bei „Infernal Affairs“ auch beim x-ten Schauen immer noch super funktioniert), einen Tick zu lang geraten ist, aber mit guten 8 Punkten sich ganz weit oben in meiner Topkinojahresliste 2006 (was bei diesem Jahrgang – zumindest was ich davon bisher gesehen habe - aber nicht sonderlich schwer war) gesetzt hat. Hauptgründe noch mal in Kurzform: Wahlberg, Nicholson, Dialoge, Soundtrack (dass die Story gut ist, war ja schon durchs Original bekannt).

Dienstag, 7. November 2006

Mein Besuch auf dem ASIA-Filmfest 2006

Das ASIA Filmfest 2006 in München war eine richtig lohnenswerte Veranstaltung, vor allem Dank "Exiled" von Johnny To, dem (mit) beeindruckendsten Werk das ich seit Jahren in einem Kinosaal gesehen habe. To's Film hat sich bei mir auf Anhieb in die Top50 der von mir gesehenen Filme gehievt und da bin ich so sicher, dass ich der auch einer Zweitsichtung standhält, dass ich ohne Bedenken 10/10 Punkten zücke.

Das von mir gesehene Programm mit Wertungen:

Absoluter Überkracher:
Exiled 10/10

Kracher:
Die Töchter des chinesischen Gärtners 9/10
The Mission 9/10 (2 Punkte Aufwertung gegenüber der früheren DVD-Sichtung, ein Film fürs Kino gemacht)

Spitze:
Riding Alone For Thousands Of Miles 8/10
Juvenile, A Big Bang Love 8/10
Election II 8/10
Memories of Matsuko 7-8/10

Gute Filme:
The Host 7/10
Where a good man goes 7/10
The nine lives of korean cinema 7/10
Dreaming Lhasa 7/10
Re-Cycle 7/10 (wird auf DVD allerdings nie funktionieren und hätte mich da sicher nicht annährend so begeistert)
Tokyo Zombie 7/10 (leider nur)

Ordentlich:
Crying Fist 6/10
Invisible Waves 6/10

Enttäuschend:
Shinobi 4/10

Schwach:
Hazard 3/10
Dragon Squad 3/10

Katastrophal:
Art of the Devil II 2/10
Saikano - The Ultimate Weapon 1-2/10

Sonntag, 29. Oktober 2006

Tatort - Das letzte Rennen (Deutschland 2006, Edward Berger)

Der erste Tatort seit über einem Jahr aus Hessen, wo wie nirgends sonst exzellente Tatort-Qualität herkommt. Für mich sogar noch länger, da ich den letzten hessischen Tatort vor einem Jahr verpasst habe. Vielleicht hatte ich auch deswegen etwas Probleme mit dem lethargischen Beginn, der vor allem von zwei Kommissaren handelte, welche durch die - mir dadurch unbekannten - Ereignisse aus der Vergangenheit gezeichnet waren. Nach und nach baut aber auch dieser Tatort wieder exzellent Spannung auf bis zum absolut erstklassig inszenierten und kompromisslosen Finale. Zudem muss man noch zwei Punkte besonders hervorheben. Die Inszenierung nutzt die realen Marathon-Bilder sehr gut, dazu gelingt den Autoren auch ein offener und nicht (öffentlich-rechtlich-) verklärter Beitrag zur Doping-Problematik. Insbesondere ein Satz am Schluss ist hier hervorzuheben. So knappe 8 Punkte, ein weiterer Beweis dafür, dass das Tatort-Duo aus Hessen meist die besten Drehbücher bekommt, auch wenn dieser noch nicht ganz an Klassiker wie "Herzversagen" heranreicht.

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