AK-Retro: Sugata Sanshiro (1943)

Akira Kurosawas erster Film „Sugata Sanshiro“ (dtsch. Titel: „Judo Saga“) entstand während des 2. Weltkrieges als die japanische Filmindustrie eine vom Staat kontrollierte Propagandamaschinerie war. Auch Kurosawas Debütfilm war als Propagandafilm angelegt, was man auch teilweise merkt (wenn auch bei weitem nicht so stark wie beim Sequel). So ist der unversöhnliche Bösewicht die einzige Figur, die keine traditionelle japanische Kleidung trägt, sondern in einem westlichen Anzug und mit einem westlichen Hut die ganze Zeit herumläuft. Trotzdem hat Kurosawa sich wohl den Einflüssen der staatlichen Gewalt – zumindest teilweise - widersetzt, was übrigens dafür sorgte, dass der Film von den Zensoren erst einmal als zu Amerikanisch (amüsanterweise ein Vorwurf der Kurosawa in ähnlicher Form seine ganze Karriere begleiten sollte) abgelehnt wurde.

Obwohl es die Zeit des Samuraifilms war (nach dem 2. Weltkrieg wurde das Genre durch die US-Invasoren erst einmal verboten), ist das Erstlingswerk des vor allem für seine Samuraifilme bekannten Kurosawa kein Film dieses Genres, hat aber eindeutig dessen Züge und Motive. Stattdessen handelt es sich um einen Judo-Film, die einzelnen Judo-Kämpfer, vor allem der zu Beginn noch hitzköpfige, titelgebende Protagonist (großartig gespielt von Susumu Fujita, wie der Film übrigens durch die Bank mit erstklassigen Darstellerleistungen aufwarten) verkörpern aber die gleichen Werte (Ehrenkodex, eiserne Selbstdisziplin) wie die Samurai. Die Geschichte ähnelt ein weniger der von klassischen Martial-Arts-Filmen, in denen verschiedene Schulen bei Turnieren und aufgrund der großen Rivalität auch auf der Straße gegeneinander antreten.

Bei diesen zahlreichen, vor allem die 2. Hälfte des Films bestimmenden Kämpfen zeigt sich das große Talent von Kurosawa, der die Kämpfe insgesamt sehr unterschiedlich inszeniert. Unterscheiden sich schon die Kampforte, -stile und Verläufe jedes Mal extrem, wird dies durch die unterschiedliche Inszenierung unterstützt. Von Kampf zu Kampf scheint man weniger zu sehen. Beim ersten großen Kampf sieht man noch alles aus der Totalen. Bei einem für die Handlung wichtigen Kampf, bei dem es einen Toten gibt, blendet der Film in einem entscheidenden Moment plötzlich auf die Zuschauer und zeigt den Schluss nach dem Niedergang in der Zeitlupe (siehe auch Bilderreihe). Der dritte große Kampf fokussiert sich vielmehr auf die Füße und zeigt vom entscheidenden Wurf vor allem das Ergebnis und der Finalkampf findet schließlich fast völlig im Off statt bzw. die entscheidenden Bewegungen sind nahezu alle durch hohes Gras verdeckt.

Der Plot ist insgesamt allerdings eher mau, die Liebesgeschichte wird ein bisschen stiefmütterlich behandelt und die Erzählung muss einmal bei einem Perspektivenwechsel und einmal bei einem Zeitsprung sogar etwas ungelenk auf Zwischentext zurückgreifen.


Die beeindruckendste Szenenfolge des Films, erst der Wurf durch den Raum, dann das in Zeitlupe sinkende Bild:

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