Freitag, 2. März 2007

AK-Retro: Zoku Sugata Sanshiro (1945)

Habe ich schon beim Vorgänger festgestellt, dass der Plot eher mau ist, trifft das auf das Sequel („Zoku Sugata Sanshiro“) noch viel mehr zu. Die zwei Jahre nach dem ersten Teil angesiedelte Geschichte ist im Endeffekt eine Mischung aus Neuaufguss der Vorgängergeschichte und USA-Bashing. Susumu Fujita darf erneut als Titelheld Sanshiro Sugata sich mit Kampfesrivalen einer anderen Schule prügeln (vor allem dem Bruder seines Ex-Rivalen), dazu aber noch mit einem großspurigen Navy-Boxer, der die Japaner in den Boden stampfen will. Dieser öffentliche Kampf vor einem wilden Publikum widerspricht natürlich der Judoka-Ehre, aber am Schluss lässt sich Sugata trotzdem drauf ein. Das wird allerdings ellenlang begleitet von nur schwer zu ertragendem Gefasel über die große japanische Kunst und Ehre, usw.

Dazu sind auch die beiden großen Kampfszenen eine einzige Enttäuschung und völlig langweilig inszeniert, gerade bei der zweiten im Schnee hätte man deutlich mehr erwarten müssen. Im Endeffekt herrscht eher großes Gähnen. Kurosawas Können blitzt nur selten auf, am stärksten noch in einer Szene, in welcher Sugata den mittlerweile gebrochenen und kranken Rivalen aus dem ersten Teil mit einer Riksha transportiert. Eine wirklich berührende Szene, die damit im Film aber ziemlich alleine steht.

Die Bildquali der Mei Ah-Scheibe ist übrigens unter aller Sau, was dazu beiträgt, dass der Film älter als sein Vorgänger wirkt. Erheblichen Anteil daran hat aber auch die viel zu aufdringliche Musik, die bisweilen an Stummfilmkomödien erinnert (das Tip-Tap-Tip als Begleitung zu den Schritten in einer Szene ist dermaßen unpassend…), dazu kommt teilweise auch unnötiges Over-Acting einiger Schauspieler.

Auch wenn ich noch nicht alle Filme von Akira Kurosawa kenne, bin ich überzeugt, dass dies sein Schlechtester ist und ich vermute einfach mal ins Blaue hinein, dass er sich für dieses uninspirierte Sequel nur hergegeben hat, um im Folgenden andere, interessantere Projekte übernehmen zu können.

AK-Retro: Sugata Sanshiro (1943)

Akira Kurosawas erster Film „Sugata Sanshiro“ (dtsch. Titel: „Judo Saga“) entstand während des 2. Weltkrieges als die japanische Filmindustrie eine vom Staat kontrollierte Propagandamaschinerie war. Auch Kurosawas Debütfilm war als Propagandafilm angelegt, was man auch teilweise merkt (wenn auch bei weitem nicht so stark wie beim Sequel). So ist der unversöhnliche Bösewicht die einzige Figur, die keine traditionelle japanische Kleidung trägt, sondern in einem westlichen Anzug und mit einem westlichen Hut die ganze Zeit herumläuft. Trotzdem hat Kurosawa sich wohl den Einflüssen der staatlichen Gewalt – zumindest teilweise - widersetzt, was übrigens dafür sorgte, dass der Film von den Zensoren erst einmal als zu Amerikanisch (amüsanterweise ein Vorwurf der Kurosawa in ähnlicher Form seine ganze Karriere begleiten sollte) abgelehnt wurde.

Obwohl es die Zeit des Samuraifilms war (nach dem 2. Weltkrieg wurde das Genre durch die US-Invasoren erst einmal verboten), ist das Erstlingswerk des vor allem für seine Samuraifilme bekannten Kurosawa kein Film dieses Genres, hat aber eindeutig dessen Züge und Motive. Stattdessen handelt es sich um einen Judo-Film, die einzelnen Judo-Kämpfer, vor allem der zu Beginn noch hitzköpfige, titelgebende Protagonist (großartig gespielt von Susumu Fujita, wie der Film übrigens durch die Bank mit erstklassigen Darstellerleistungen aufwarten) verkörpern aber die gleichen Werte (Ehrenkodex, eiserne Selbstdisziplin) wie die Samurai. Die Geschichte ähnelt ein weniger der von klassischen Martial-Arts-Filmen, in denen verschiedene Schulen bei Turnieren und aufgrund der großen Rivalität auch auf der Straße gegeneinander antreten.

Bei diesen zahlreichen, vor allem die 2. Hälfte des Films bestimmenden Kämpfen zeigt sich das große Talent von Kurosawa, der die Kämpfe insgesamt sehr unterschiedlich inszeniert. Unterscheiden sich schon die Kampforte, -stile und Verläufe jedes Mal extrem, wird dies durch die unterschiedliche Inszenierung unterstützt. Von Kampf zu Kampf scheint man weniger zu sehen. Beim ersten großen Kampf sieht man noch alles aus der Totalen. Bei einem für die Handlung wichtigen Kampf, bei dem es einen Toten gibt, blendet der Film in einem entscheidenden Moment plötzlich auf die Zuschauer und zeigt den Schluss nach dem Niedergang in der Zeitlupe (siehe auch Bilderreihe). Der dritte große Kampf fokussiert sich vielmehr auf die Füße und zeigt vom entscheidenden Wurf vor allem das Ergebnis und der Finalkampf findet schließlich fast völlig im Off statt bzw. die entscheidenden Bewegungen sind nahezu alle durch hohes Gras verdeckt.

Der Plot ist insgesamt allerdings eher mau, die Liebesgeschichte wird ein bisschen stiefmütterlich behandelt und die Erzählung muss einmal bei einem Perspektivenwechsel und einmal bei einem Zeitsprung sogar etwas ungelenk auf Zwischentext zurückgreifen.


Die beeindruckendste Szenenfolge des Films, erst der Wurf durch den Raum, dann das in Zeitlupe sinkende Bild:

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Akira-Kurosawa-Retro

Ich habe aktuell eine Akira Kurosawa-Retro angefangen, die ich in unregelmäßigen Abständen die nächste Zeit fortführen werden. Dabei werde ich versuchen alle Filme von Kurosawa zu schauen, größtenteils in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Entstehung. Zu Abweichungen kann es allerdings kommen, da ich selbst nur knapp die Hälfte der Filme auf DVD oder VHS habe, mir die anderen in der Würzburger Uni-Bib ausleihen muss und da kann es sein, dass der ein oder andere mal vergriffen ist (und ich hoffe sie haben allgemein alle vorrätig, das Überfliegen hinterließ zumindest den Eindruck, ein Nachprüfen für jeden Titel war mir zu umständlich). Zudem werde ich die beiden Sequels direkt nach ihrern ersten Teilen besprechen. Weglassen werde ich wohl Yume, den ich vor nicht allzu langer Zeit mal wieder gesehen habe und der mich auch beim 2. Ansehen nicht rundum überzeugt habe, denn manche Episoden finde ich einfach nur langweilig. Da muss ich den nicht ein drittes Mal innerhalb von gut 2 Jahren sehen ;)

Hier im Blog werde ich dann zu jedem Film was schreiben
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